Persönliche Garderobe · FRILISA-Geschichte
Eine Begegnung, die bleibt
Swetlana Alexijewitsch
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Im Berliner Atelier
Es gibt Begegnungen, die einen noch lange beschäftigen. Nicht unbedingt wegen großer Worte oder außergewöhnlicher Ereignisse, sondern wegen eines Menschen, dessen Ausstrahlung etwas in einem berührt.
So ging es mir, als ich Swetlana Alexijewitsch kennenlernen durfte.
Natürlich wusste ich, wer sie ist. Eine Schriftstellerin von internationaler Bedeutung, ausgezeichnet mit dem Nobelpreis für Literatur 2015. Ich kannte ihren Namen aus den Nachrichten und wusste um die Bedeutung ihrer Arbeit. Doch mit ihrem literarischen Werk hatte ich mich bis dahin noch nicht intensiv beschäftigt.
Vielleicht war es gerade deshalb eine so besondere Begegnung.
Ich war beeindruckt von ihrer Herzlichkeit, ihrer Offenheit und der warmen, beinahe vertrauten Art, mit der sie mir begegnete. Sie strahlte eine bemerkenswerte innere Stärke aus, ohne diese auch nur im Geringsten betonen zu müssen.
Während unseres Gesprächs vergaß ich für Momente beinahe, welch bedeutende Persönlichkeit mir gegenübersaß.
Und dann wurde es mir wieder bewusst.
Diese Frau, die so herzlich und selbstverständlich mit mir sprach, hatte mit ihren Büchern Menschen auf der ganzen Welt bewegt. Sie hatte sich mit Schicksalen auseinandergesetzt, denen viele lieber aus dem Weg gehen würden, und Geschichten festgehalten, die nicht vergessen werden dürfen.
Unsere Begegnung machte mich neugierig. Ich wollte mehr über sie erfahren, über ihre Bücher, ihre Gedanken und den Weg, den sie gegangen ist.
Doch zunächst führte uns unsere gemeinsame Zeit zu einem Thema, das mir besonders am Herzen liegt: Kleidung.

Kleidung und Persönlichkeit
Wir sprachen über ihre Vorstellungen, über das, worin sie sich wohlfühlt, und darüber, welche Kleidung sie bei ihren öffentlichen Auftritten begleiten sollte.
Ich hatte dabei einen Gedanken, der mich während der gesamten Arbeit nicht losließ.
Wie kann Kleidung die Stärke einer Frau unterstreichen, ohne ihre natürliche Weiblichkeit und Wärme zu überdecken?
Ich wollte keine strenge, unnahbare Erscheinung schaffen. Ebenso wenig wollte ich sie durch besondere Formen oder auffällige Details verändern.
Ihre Persönlichkeit war bereits so ausdrucksstark.
Meine Aufgabe sah ich darin, diese Ausstrahlung mit meiner Arbeit zu begleiten.
Klare Linien, eine selbstbewusste Silhouette, sorgfältig ausgewählte Stoffe und genügend Freiheit, um sich ganz natürlich zu bewegen. Eine Kleidung, die dem Anlass gerecht wird, ohne den Menschen dahinter zu verbergen.
Für mich gehören Stärke und Weiblichkeit untrennbar zusammen. Eine Frau kann entschlossen und zugleich sanft sein. Sie kann große Autorität besitzen und dennoch voller Wärme und Herzlichkeit bleiben.
Genau diesen Eindruck hatte Swetlana Alexijewitsch bei mir hinterlassen.

Über das Atelier hinaus
Als ich sie später in unseren Kreationen bei öffentlichen Auftritten und in den Medien sah, empfand ich eine ganz besondere Freude.
Es waren keine großen Gesten, die mich bewegten. Vielmehr der Gedanke, dass etwas, das in unserem Berliner Atelier entstanden war, nun eine Frau auf ihrem Weg begleitete, deren Worte und Gedanken weit über Ländergrenzen hinausreichen.
Ich empfinde es als großes Privileg, dass unsere Arbeit einen kleinen Platz in diesen Momenten einnehmen durfte.
Ihre Geschichten, ihre Gedanken und ihr Lebenswerk gehören ihr allein. Doch dass wir mit unserer Couture ein wenig zu ihrem Wohlbefinden und ihrer äußeren Präsenz beitragen durften, bedeutet mir sehr viel.
Diese Begegnung hat mir wieder einmal gezeigt, wie bereichernd mein Beruf sein kann.

Manchmal beginnt die Arbeit an einem Kleidungsstück mit einem Gespräch über Stoffe, Schnitte und Farben.
Und manchmal geht man aus einem solchen Gespräch mit dem Wunsch, einen Menschen und seine Welt noch viel besser kennenzulernen.
Larissa Fromm
Chefdesignerin, FRILISA — Couture. Created in Berlin.

